Gastbeitrag von Lena Reutenauer, Fotos Vincent Forstenlechner

Das Projekt „Armour of Care“ ist eine künstlerische Installation, bestehend aus Textilien, die sich mit Strategien zur Wahrnehmung und Bewältigung unbezahlter Hausarbeit befasst. In der Abschlussarbeit der Designerin Lena Reutenauer werden Stoffe und Schnitte als Medium genutzt, um gemeinsam unsere gesellschaftliche, aber auch private, Beziehung zu Sorgearbeit zu reflektieren.

Die Recherche begann mit einem Interesse an und gleichzeitiger Konsternation vor dem Konzept der „Tradwife“, einer Bewegung in den Sozialen Medien. Meist weiblich gelesene, weiße Influencer*Innen repräsentieren darin einen konservativen Lebensstil, der von traditionellen Rollenbildern und Romantisierungen der Hausfrauenfigur der 1950er geprägt ist. Ursprünge hat der Trend in Amerika, mittlerweile findet man aber auch im Europäischen Raum viele sogenannte „Tradwives“ im Internet. Daraus entstand der Wunsch der Designerin, sich intensiver mit dem Konzept von Care Work auseinanderzusetzen.

Wie sieht Sorgearbeit heutzutage im Privatleben aus? Welche Probleme sind immer noch präsent, und was hat sich geändert? Wie können wir mit dem Thema umgehen, in einer Gesellschaft die Care Arbeit oft noch immer nicht als echte, systemrelevante Arbeit anerkennt? Mithilfe des „Fair Sorgen!“ Netzwerkes entstanden Interviews mit, unter anderem Anna Majcan, sowie Heidemarie Ambrosch. Diese halfen extrem, die Geschichte und Komplexität der Sorgearbeit in Österreich zu verstehen. Darüber hinaus gaben Texte von Silvia Federici und Helen Hester mehr internationalen, akademischen Kontext.

Bei einem Thema, dass (fast) alle Menschen weltweit, sowohl auf privater, als auch gesellschaftlicher Ebene betrifft, stellt sich die Frage der Zielgruppe für ein künstlerisches Projekt als etwas kompliziert heraus. Entschieden hat sich Reutenauer dann für das Individuum, dabei versucht sie mithilfe von Textilien, die auch im eigenen Haushalt mit hoher Wahrscheinlichkeit vorkommen und somit einen gewissen Wiedererkennungswert besitzen, andere mögliche Wege zur Interaktion mit Care Work vorzuschlagen. Als Grundlage werden Handstickereien aus den 19. Jahrhundert, die Schürze, sowie der Schnitt des Butterick Walkaway Dress aus 1952 genommen. Dieses Kleidungsstück war unter Amerikanischen Hausfrauen extrem beliebt und ist eine direkte Reaktion auf den Tradwife Trend.

Dabei schlägt die Arbeit neue Ausdrücke vor, die wir auch zum Care Begriff dazuzählen können. Die Entmystifizierung von Care Work, als „Arbeit aus Liebe“ und nur von einem gewissen Körper und Geschlecht durchgeführt, wird durch das Zerteilen des Butterick Walkaway Dress symbolisiert. Zuletzt steht die Schürze mit vielen Händen für eine gemeinsame, generationen- sowie geschlechterübergreifende Partizipation an der Arbeit, um der fortschreitenden Isolation der Sorgearbeiter*Innen entgegenzuwirken.

Lena Reutenauer ist eine Multidisziplinäre Designerin deren Arbeit sich derzeit vor Allem mit Textilien als Medium beschäftigt. Durch Installationen, Performance und Text entstehen künstlerische Mittel, um Soziale und Politische Strukturen zu untersuchen die den menschlichen Körper im Alltag beeinflussen. Ihre Recherche fokussiert sich derzeit auf Rollenbilder, Gleichberechtigung und Care Arbeit im analogen und Digitalen Raum. Mehr unter 

https://lenareutenauer.com/

Armour of Care 3 c Vincent Forstenlechner