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Online-Enquete

Pflege und Betreuung zu Hause:

Frauen als wesentliche Säule im System und dennoch im Schatten?

 

Montag, 17. Oktober 2022
14 – 18 Uhr via Zoom

Viele Menschen wünschen sich, sollten sie einmal pflegebedürftig werden, möglichst lange zu Hause zu leben. Dementsprechend groß ist auch in unserem gesamten Pflegesystem der Anteil jener Leistungen, die im privaten Wohnumfeld – zu einem großen Teil von Frauen – erbracht werden.

In der öffentlichen Diskussion ist das Thema der Pflegekrise beinahe allgegenwärtig. Fast kein Tag vergeht, an dem wir uns nicht mit Meldungen über aktuelle oder drohende Problemlagen konfrontiert sehen. Verwunderlich dabei ist jedoch, dass die Berichte sich zumeist auf die Situation in stationären Einrichtungen beziehen. Ist also bei der Pflege zu Hause alles bestens? Herrscht dort etwa keinerlei Mangel, zum Beispiel an Pflegenden, Zeit, Geld und Anerkennung?

Bei dieser Enquete wollen wir deshalb genauer hinter die Wohnungstüren blicken und den Bedingungen nachgehen, wie aktuell Betreuung und Pflege in den privaten Haushalten erfolgen müsste. Wer sind diejenigen, die hilfebedürftige Menschen im privaten Umfeld bezahlt oder unbezahlt begleiten, unterstützen und pflegen? Welche Probleme existieren und sind diese möglicherweise geschlechtsspezifisch unterschiedlich? Und wir werden uns damit auseinandersetzen, welche Angebote und Maßnahmen fehlen, damit alle Beteiligten zukünftig besser zurechtkommen können.

 

PROGRAMMPUNKTE

Impulsvorträge von

MMag.a Dr.in Elisabeth Rappold:
Pflege und Betreuung: ein Zusammenspiel vieler Akteur:innen

Mag.a Dr.in Doris Pfabigan:
Who Cares? Wer trägt Sorge für die Sorge?

Mag.a Dr.in Ingrid Mairhuber:
Frauen: die kostengünstige Ressource der Angehörigenpflege!?

(Details zu den Referentinnen und den Vorträgen siehe weiter unten.)

Vertiefende Diskussion in Arbeitsgruppen

mit den Referentinnen

Fazit und Ausblick
Statements der Teilnehmer:innen und aus der Politik, Definition der nächsten Schritte

 

Die Teilnahme an der Enquete ist kostenfrei.

Angesprochen sind:
Pflegekräfte, Verantwortliche sowie Gender Expert:innen aus Politik, Verwaltung, Forschung, Bildung & Ausbildung und natürlich alle Interessierte, für die eine gerechte Aufteilung und Entlohnung für Pflege- und Betreuungsleistungen eine Herzensangelegenheit ist.

Anmeldung:
Bitte melden Sie sich bis spätestens 10. Oktober 2022 an – Mail: office@ecoversum.at
Sie erhalten dann ein paar Tage vorher den Zugangslink für Ihre Teilnahme.

 

Enquete: Pflege und Betreuung zu Hause. Frauen als Säule im System und dennoch im Schatten?

Die Einladung zu dieser Online-Enquete
mit allen Informationen zum Programm, den Referentinnen
und zur Anmeldung können Sie auch als PDF hier herunterladen.

 

 

Nähere Informationen zu den Referentinnen und den Impulsvorträgen:

 

MMag.a Dr.in Elisabeth Rappold

Pflege und Betreuung: ein Zusammenspiel vieler Akteur:innen

Menschen unterschiedlichen Alters sind bei Hilfs‐ oder Pflegebedürftigkeit auf die Unterstützung anderer angewiesen. Diese Unterstützung wird von Familien (An‐ und Zugehörigen), mobilen Diensten oder diversen (teil‐)stationären Einrichtungen sowie der 24‐h‐Betreuung geleistet. Der Bedarf nimmt zu. Daher sind heute schon Maßnahmen wie die Weiterentwicklung und der Ausbau der Angebote zu setzen. Menschen sollen unterstützt werden, damit sie das eigene Leben individuell gestalten und bestimmen können. Das bedeutet, die Vielfalt der Angebote ist so zu gestalten, dass sie den Vorstellungen der Bevölkerung entspricht. Dazu muss sich die Entwicklung am Interesse und am Willen der Betroffenen orientieren und kann so auch Eigeninitiativen und Selbsthilfe systematisch unterstützen. Es ist auch notwendig, sich auf Ressourcen zu konzentrieren und eine zielgruppen‐ sowie bereichsübergreifende Herangehensweise in den Vordergrund zu rücken. Wir sind darüber hinaus gefordert, verstärkt auf die Weiterentwicklung der Qualität zu achten. Aber auch das Zusammenspiel zwischen betreuungs- und pflegebedürftigen Personen, deren Zu- und Angehörigen und den professionellen Angeboten gilt es zu harmonisieren.

Elisabeth Rappold ist DGKP, Pflegewissenschafterin, Soziologin und Leiterin der Abteilung Langzeitpflege an der Gesundheit Österreich GmbH in Wien. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind strategische Entwicklungen, Bedarf und Angebote im Bereich der Pflege und Betreuung, innovative Dienstleistungsangebote (z.B. community nursing, Informationsplattform pflege.gv.at). Ein weiterer Schwerpunkt ist der Themenbereich Health Workforce Planning, insbesondere Pflegepersonalprognosen. Sie wirkt an der Entwicklung von Strategieprozessen (Österreichische Demenz- bzw. Diabetesstrategie) mit, ist erfahrene Projektmanagerin und hält Vorträge und Lehrveranstaltungen.

 

Mag.a Dr.in Doris Pfabigan

Who Cares? Wer trägt Sorge für die Sorge?

Gedeihen, Gesundheit, Wohlbefinden, Arbeits- und Produktionsvermögen und vieles mehr sind ohne Care nicht möglich. Als biosoziale Wesen sind wir fundamental auf die verlässliche Fürsorge zwischen Menschen angewiesen, ohne sie (über)leben wir schlichtweg nicht. In diesem Sinne ist Care ein wesentlicher Aspekt eines guten Lebens und damit eine der wichtigsten sozialen Voraussetzungen für eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung. In unserer kapitalistischen Wettbewerbsgesellschaft zählt vorrangig, was Geld einbringt. Geld, welches in marktförmiger Erwerbsarbeit verdient werden muss. Daher wird entweder versucht, die gesellschaftlich notwendige Sorgearbeit marktkompatibel zu rationalisieren und nach den Regeln des Marktes anzubieten, oder Sorgearbeit wird, wenn sie privat geleistet wird, als „Liebesdienst“ weitgehend aus der politischen Sphäre ausgeschlossen. Im Vortrag wird auf die Besonderheiten von Care sowie ihre gesellschaftliche Verortung eingegangen. Ebenso thematisiert werden Krisenphänomene und Spannungsfelder innerhalb der privat und professionell geleisteten Sorgearbeit, wobei es vorrangig um Pflege- und Betreuungsarbeit gehen soll. Nicht zuletzt sollen Lösungsstrategien unter dem Blickwinkel sozialer Gerechtigkeit skizziert werden.

Doris Pfabigan hat als DGKP langjährig in der stationären und ambulanten Langzeitpflege gearbeitet. Seit 2002 ist die promovierte Philosophin in Forschungs- und Entwicklungsprojekten sowie in der Lehre tätig (Universität Wien, UMIT – Die Tiroler Privatuniversität, FH-Campus Wien und Gesundheit Österreich GmbH, Forschungsinstitut für Altersökonomie der WU Wien). Ihre Schwerpunktthemen sind Gesundheitsförderung in der Langzeitpflege, ethische Aspekte im Gesundheitsbereich, Pflege, Versorgung und Lebensqualität im Alter sowie die Berufsentwicklung in der Pflege.

 

Mag.a Dr.in Ingrid Mairhuber

Frauen: die kostengünstige Ressource der Angehörigenpflege!?

Die Angehörigenpflege – vor allem durch Frauen – ist die tragende Säule des österreichischen Langzeitpflegesystems. Gleichzeitig sind immer mehr Frauen, die ihre Angehörigen betreuen und pflegen (noch) erwerbstätig oder zumindest im erwerbsfähigen Alter. Die notwendige Vereinbarkeit der Erwerbstätigkeit mit den Betreuungs- und Pflegeaufgaben ist in Österreich aber kaum ein Thema. Im Vortrag soll daher diese Thematik näher beleuchtet und dabei der Frage nachgegangen werden, welche Elemente des österreichischen Langzeitpflegesystems die Vereinbarkeit direkt oder zumindest indirekt unterstützen. Ebenso wird darauf eingegangen, welche finanziellen Folgen die Angehörigenpflege für Frauen (vor allem im Alter) hat. bzw. wer eigentlich die Kosten der Angehörigenpflege trägt?
Neben der Analyse der Ist-Situation beschäftigt sich der Vortrag darüber hinaus auch mit jenen Aspekten, die für eine (bessere) Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege notwendig wäre bzw. welche Maßnahmen geeignet sind, um die persönlichen Nachteile und Kosten bei Übernahme von Angehörigenpflege für Frauen zu vermindern.

Ingrid Mairhuber ist Politikwissenschafterin und seit 1999 bei der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) in Wien tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Alterssicherung von Frauen, Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung sowie Angehörigenpflege.

 

Über die Organisatorinnen:

Die Enquete ist eine Kooperationsveranstaltung von Mehr für Care! Aktionsgruppe Steiermark und des Erasmus+ Projektes RURAL NEEDS & MOBILE-LEARNING, das in Österreich von ecoversum durchgeführt wird!

Im Projekt RURAL NEEDS & MOBILE LEARNING haben Partner:innen aus Spanien, Portugal, Italien und Österreich einen neue mobilen Trainingsansatz zum Thema Pflege für den ländlichen Raum in Europa entwickelt und ausprobiert. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung zum online Training: https://ruralneeds.eu/de
Diese Veranstaltung ist ein Muliplier Event im Rahmen des ERASMUS+ Projektes 2019-1-ES01-KA202-063652
„RURAL NEEDS & MOBILE-LEARNING“.

Enquete: Pflege und Betreuung zu Hause. Frauen als Säule im System und dennoch im Schatten? Kofinanzierung durch das Programm Erasmus+ der Europäischen Union

Details

Datum:
17. Oktober 2022
Zeit:
14:00 - 18:00